Sekundarstufe I

Nach der Primarstufe wechseln unsere Schüler*innen in die Sekundarstufe I der LVR-Severin-Schule. Hier werden sie entsprechend ihrer individuellen Lernvoraussetzungen unterrichtet.

Nahaufnahme von zwei Kinderhänden, die sanft über ein Blatt Papier tasten, auf dem Blindenschrift in erhabenen Punkten geprägt ist. Das Bild zeigt das taktile Lesen von Braille.

Unsere Schule im Wandel

Bis Sommer 2025 war unsere LVR-Severin-Schule eine reine Grundschule. Dazu waren unsere Lehrkräfte im Bereich Gemeinsames Lernen an allgemeinen Schulen tätig.

Im Gemeinsamen Lernen (GL) bleibt alles wie gewohnt.

Das neue Schuljahr 2025/26 ist für uns jedoch ein wichtiger Meilenstein:

Wir bauen die Sekundarstufe I schrittweise neu auf, beginnend mit der aktuellen Klasse 5. Unsere Schüler*innen werden in jahrgangsgemischten Klassen unterrichtet. Dadurch können wir eine noch bessere und individuellere Differenzierung für jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler gewährleisten.

Lernen nach individuellen Voraussetzungen

In der Sekundarstufe I passen wir den Unterricht an die individuellen Lernvoraussetzungen unserer Schüler*innen an.

So werden unsere Schüler*innen in den Klassen 5 bis 10 in verschiedenen Bildungsgängen unterrichtet:

  • Bildungsgang "Hauptschule"

  • Bildungsgang "Lernen"

  • Bildungsgang "Geistige Entwicklung“

Ein großer Vorteil hier ist die hohe Durchlässigkeit: Ein Wechsel zwischen diesen drei Lerngruppen ist während der gesamten Sekundarstufe I möglich. Unabhängig vom gewählten Bildungsgang steht bei uns immer die ganzheitliche Stärkung im Vordergrund. Wir fördern aktiv die Persönlichkeit, die kommunikativen Kompetenzen und die soziale Integration unserer Schüler*innen.

Organisation und Struktur der Stufe

Jede Klasse in der Sekundarstufe I besteht aus maximal 15 Schüler*innen. In der Regel leitet ein Lehrkräfte-Team eine Klasse.

Die 5. und 6. Klassen der Sekundarstufe I bilden die sogenannte Erprobungsstufe und somit eine besondere pädagogische Einheit. Für diese Klassen bieten wir momentan auch die OGS-Betreuung am Nachmittag an.

In allen Klassen wird weiterhin individuell in den unterschiedlichen Bildungsgängen unterrichtet.

Bildungsgang "Hauptschule"

Ziel des Bildungsgangs Hauptschule ist es, die Schüler*innen zu einem eigenverantwortlichen und selbstständigen Leben und Handeln zu leiten und sie auf ihre Berufsausbildung oder den Besuch einer weiterführenden Schule bestmöglich vorzubereiten.

Die Basis des Unterrichts in der Hauptschule bilden die "Grundlegenden Kompetenzen des Förderschwerpunkts Sehen". Dahinter versteckt sich ein spezifischer Lehrplan für Schüler*innen mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung. Beispielsweise wird die visuelle und taktile Wahrnehmung gefördert. Es werden verschiedene Schriftsysteme wie die Brailleschrift (Blindenschrift) und der Umgang mit Computerprogrammen unterrichtet. Dazu erlernen die Schüler*innen lebenspraktische Fertigkeiten, Orientierung und Mobilität.

Bildungsgänge "Lernen" und "Geistige Entwicklung"

Der Bildungsgang "Lernen" lehnt sich an die Richtlinien der Hauptschule NRW an. Die Schüler*innen können ihre Schulzeit mit dem ersten Schulabschluss (ESA) oder dem Abschluss LE10 beenden. Dieser bietet im Anschluss die Möglichkeit, an einem Berufskolleg den ersten Schulabschluss nachzuholen.

Die Schüler*innen im Bildungsgang "Geistige Entwicklung" wechseln in die Abschlussstufe, um sich intensiv auf ihr zukünftiges Berufsleben und die selbstständige Bewältigung des Alltags vorzubereiten. So stehen Kompetenzen in den folgenden Lebensbereichen im Fokus:

  • Arbeit und Beruf

  • Freizeit

  • Öffentliches Leben

  • Persönlichkeit und soziale Beziehungen

  • Wohnen

Die gelernten Kompetenzen werden vorwiegend praktisch angewandt und vertieft.

Wichtige Bestandteile des Unterrichts

Digitales Lernen und Arbeiten

Die digitale Welt ist fester Bestandteil der Sekundarstufe I. Wir bereiten unsere Schüler*innen darauf vor, den Computer schnell und routiniert zu bedienen. Dies beginnt mit der Grundlage – dem 10-Finger-System, welches in einem speziellen Tastaturschreiblehrgang vermittelt wird.

Diese Kompetenzen werden aktiv im Unterricht auf den vorhandenen digitalen Geräten – den iPads und Laptops – angewendet und vertieft.

Assistive Technologien nutzen

Der Unterricht integriert auch Assistive Technologien (AT). Dies sind spezielle Hard- und Software-Lösungen, die dafür entwickelt wurden, Schüler*innen mit Beeinträchtigungen die Nutzung digitaler Angebote zu ermöglichen.
Beispiele für diese Hilfsmittel sind Vergrößerungssoftware, Screenreader, Braillezeilen und Bildschirmlesegeräte. Die Schüler*innen können die verschiedenen AT-Lösungen praktisch ausprobieren.

Wichtig: Unsere Lehrkräfte unterstützen die Familien auch dabei, diese individuellen Hilfsmittel zu beantragen.

Soziales Lernen

Das Soziale Lernen ist ein zentraler Bestandteil des Schulalltags an Förderschulen. Viele Schüler*innen benötigen aufgrund ihrer spezifischen Bedarfe (wie emotionale oder körperliche Einschränkungen, Lernschwierigkeiten) zusätzliche Unterstützung in Bereichen wie "Soziale Kompetenzen" oder "Emotionale Entwicklung".

Durch Formate wie Klassenrat, wöchentliche Arbeitsgemeinschaften (AGs) und Kooperationen wollen wir ihre Kompetenzen wie Konfliktlösung und Kommunikationsfähigkeit, Selbstwertgefühl und Verantwortungsbewusstsein, Empathie und Perspektivwechsel gezielt fördern und stärken.

Weitere Schwerpunkte der Sekundarstufe I

Neben dem klassischen Unterricht legen wir an unserer Schule großen Wert darauf, die Schüler*innen in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten und zu stärken. Dafür bieten wir viele verschiedene Angebote:

  • Lebenspraktische Fähigkeiten erlernen (LPF-Unterricht), beispielsweise Ordnungssysteme, Umgang mit Formularen oder Geld

  • Orientierungs- und Mobilitätsunterricht

  • Berufsorientierung

  • Sozialkompetenztraining

  • Selbstbehauptung

  • Jahrgangsübergreifender AG-Nachmittag

  • Klassenfahrten

  • Lernangebote an außerschulischen Lernorten

  • Konzept des Werkstatt-Tags

Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts

Je nachdem, welche Lernvoraussetzungen die Kinder und Jugendlichen mitbringen, passen wir den Unterricht individuell an. So erhalten beispielsweise manche Schüler*innen bei Klassenarbeiten mehr Zeit. Man spricht hier von einem individuellen Nachteilsausgleich.

Auch die Unterrichtsmaterialien bereiten wir für alle Schüler*innen individuell auf. Wichtig dabei sind unter anderem:

  • Einsatz verschiedener Punktschriftsysteme

  • Digitale Dateien nach E-Buch-Standard

  • Individuelle Veränderungen von Schwarzschriftvorlagen (zum Beispiel Veränderung von Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand)

  • Eindeutiges und klares Bildmaterial

  • Strukturierungshilfen (zum Beispiel farbliche Markierungen, verschiedenartige Linien)

  • Taktile Abbildungen

  • Dreidimensionale Modelle

  • Auditive Medien