Förderschwerpunkt Sehen

Als Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen setzen wir uns dafür ein, dass jedes Kind in unserer Frühförderung oder Vorschule, an unserer Schule oder im Gemeinsamen Lernen gut teilhaben kann. Auf dieser Seite haben wir wichtige Informationen und praktische Hilfestellungen rund um den Förderschwerpunkt Sehen für Sie zusammengefasst.

Was bedeutet Sehbeeinträchtigung?

Die Grenzen zwischen "normalem" und eingeschränktem Sehen, Sehbeeinträchtigung und Blindheit sind nicht starr, sondern fließend. Generell werden die Einschränkungen nach der Sehschärfe (dem sogenannten Visus) unterschieden.

Ein normalsichtiger Mensch verfügt über einen Visus von 1,0 und damit über 100% Sehvermögen. Bei Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung ist der Visus reduziert und das lässt sich mit einer Brille nicht korrigieren.

Folgende Definitionen gelten laut Sozialgesetzbuch:

  • Sehbehinderung: Die Sehschärfe (Fern-Visus) liegt auf dem besseren Auge trotz Korrektur (Brille) zwischen 0,3 und 0,05.

  • Hochgradige Sehbeeinträchtigung: Die Sehschärfe liegt auf dem besseren Auge trotz Korrektur bei 0,05 und 0,02.

  • Blindheit: Die Sehschärfe ist unter 0,02.
    Blindheit kann auch bei progredienten oder starken Einschränkungen des Gesichtsfeldes vorliegen.

Wichtig: Selbst bei gleichen Messwerten können Betroffene im Alltag unterschiedlich gut zurechtkommen. Das hängt davon ab, welche Strategien sie nutzen, um ihre fehlende Sehstärke auszugleichen.

Alarmzeichen für mögliche Sehbeeinträchtigung

Die Anzeichen für eine Sehschädigung sind nicht so leicht zu erkennen. Daher ist es wichtig, das Verhalten Ihres Kindes gut zu beobachten. Meistens zeigt sich die Beeinträchtigung in einfachen, alltäglichen Situationen wie zum Beispiel:

  • Mit der Nase „lesen“ (sprich: ganz nah ans Blatt herangehen)

  • Daneben schauen beim Beobachten eines Gegenstandes

  • Nystagmus (Augenzittern)

  • Schielen

  • Verdrehen des Kopfes oder Oberkörpers

  • Zusammenkneifen der Augenlider

  • Augenreiben

  • Blinzeln und Zwinkern

  • Schließen eines Auges

  • Kopfschmerzen

  • Farben verwechseln

  • Linien übermalen/überschreiben

  • Auffälligkeiten beim Ausschneiden

  • Stolpern, Anstoßen

  • Auffälligkeiten beim Sport

Erste Anlaufstellen bei Sehauffälligkeiten

Medizinische Informationen erhalten Sie in Uni-Augenkliniken mit angeschlossener Sehschule.
Große Augenkliniken in unserem Einzugsgebiet sind:

Augenarztpraxen finden Sie im Telefonbuch oder im Internet. Informieren Sie die Praxis bei der Anmeldung, dass Sie ein Kind vorstellen.

Diagnostik an unserer Schule

Unsere LVR-Severin-Schule bietet die Diagnostik von verschiedenen Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen an. Je nach Bedarf überprüfen unsere Fachkräfte sowohl ihr Funktionales Sehen , als auch ihre kognitiven Fähigkeiten , um die bestmögliche Förderung für jede*n Einzelne*n gewährleisten zu können.

Was ist Funktionales Sehen?

Funktionales Sehen beschreibt, wie ein Mensch seine Sehfähigkeit im Alltag tatsächlich nutzt und wie gut er damit zurechtkommt. Es geht also nicht nur um die gemessene Sehschärfe (den sogenannten Visus), sondern um die praktische Anwendung des Sehens in verschiedenen Situationen.

Kurz gesagt: Funktionales Sehen beantwortet die Frage: "Was sieht dieser Mensch und wie gut kann er das Gesehene für seine täglichen Aufgaben nutzen?"

Was umfasst Funktionales Sehen?

Funktionales Sehen ist ein umfassender Begriff, der verschiedene Aspekte der visuellen Wahrnehmung und Verarbeitung einschließt:

  • Sehschärfe (Visus): Wie klar oder scharf man sieht

  • Gesichtsfeld: Der Bereich, den man sieht, ohne die Augen zu bewegen (zum Beispiel Tunnelblick oder Einschränkungen)

  • Farbensehen: Die Fähigkeit, Farben zu erkennen und zu unterscheiden

  • Kontrastsehen: Die Fähigkeit, Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen (wichtig zum Beispiel bei Stufen oder gedrucktem Text)

  • Adaptation: Die Fähigkeit, sich an wechselnde Lichtverhältnisse (von hell nach dunkel und umgekehrt) anzupassen

  • Visuelle Wahrnehmung: Die Verarbeitung und Interpretation der gesehenen Informationen im Gehirn (zum Beispiel Formen erkennen, räumliche Tiefe einschätzen)

  • Visuell-motorische Koordination: Das Zusammenspiel von Sehen und Bewegung (zum Beispiel beim Greifen, Schreiben oder Laufen)

Bedeutung in der Pädagogik und Therapie

Bei unseren Frühförder- und Schulkindern mit einer Sehbeeinträchtigung ist das Funktionale Sehen entscheidend. Es bildet die Grundlage für die Rehabilitation und die pädagogische Förderung:

  • Durch die regelmäßige Überprüfung des Funktionalen Sehens stellen wir fest, welche Sehleistung die Kinder unter realen Bedingungen (mit Hilfsmitteln, unter bestimmten Lichtverhältnissen) noch haben.

  • Die Ergebnisse bestimmen, welche Hilfsmittel (Lupen, Vergrößerungssoftware, besondere Beleuchtung) für jedes einzelne Kind sinnvoll sind, um das verbleibende Sehvermögen optimal zu nutzen.

  • In unserer Frühförderung sowie in der Schulzeit werden die Kinder und Jugendlichen dabei unterstützt, ihr Sehvermögen optimal zu nutzen und Hilfsmittel einzusetzen.

Low-Vision-Förderung in der Frühförderung

Low-Vision-Förderung richtet sich an die sinnvolle Nutzung auch des geringsten Sehvermögens.

Sie beinhaltet die enge Verknüpfung von funktionaler Diagnostik und Förderung des verbliebenen Sehvermögens bei hochgradig sehbeeinträchtigten oder als blind geltenden Kindern (und auch bei sehbeeinträchtigten Kindern mit Mehrfachbehinderung).

Für eine ganz präzise Sehüberprüfung

Grundlage der Low-Vision-Förderung ist die ophthalmologische Feststellung der Sehschädigung (Opthalmologie bedeutet Augenheilkunde).

Eine objektive Messung der Sehfähigkeit ist bei kleinen und auch bei Kindern mit komplexen Beeinträchtigungen häufig nicht möglich oder erschwert.

Für sie ist die genaue Beobachtung und Analyse visueller Reaktionen der Ausgangspunkt für die Überprüfung des Funktionalen Sehens. Auf dieser Grundlage kann dann das Sehvermögen mit Hilfe kontrastreicher und beleuchteter Spielmaterialien erfolgen. Ein besonderes Setting bietet der Dunkelraum, da hier alle weiteren Sinnesreize reduziert werden und damit die visuelle Aufmerksamkeit leichter gesteuert werden kann.

Bei Kindern mit hochgradig eingeschränktem Sehvermögen reichen klar strukturierte kontraststarke Muster oft nicht aus, um den visuellen Kortex zu erreichen und somit die Verarbeitungszentren des visuellen Systems zu aktivieren. Sie benötigen zusätzlich die Unterstützung durch Licht, um Reize wahrnehmen und visuelles Interesse und Aufmerksamkeit aufbringen zu können.

Sehentwicklung fördern

Das einfache Anbieten von Lichtreizen reicht allerdings nicht aus, um die Sehentwicklung anzuregen. Die angebotenen Reize müssen für das Kind in einem Erfahrungszusammenhang stehen, d.h. eine emotionale Bedeutung erlangen. Das kann durch die Einbettung in Sinnzusammenhänge bzw. Situationen, Themen, Geschichten erfolgen. Oder aber auch über die Einbeziehung von Liedern, Fingerspielen in die visuelle Stimulation.

Durch die Low-Vision-Förderung möchten wir:

  • visuelle Fähigkeiten abklären (Stichwort: Funktionales Sehen )

  • visuelle Aufmerksamkeit mithilfe von lichtintensiven, glitzernden und fluoreszierenden Materialien fördern

  • die Muster-, Farb-, Form und Objektwahrnehmung mithilfe von zum Beispiel Muster- und Farbfolien, Formen auf der Leuchtplatte, angestrahlten Spielobjekten unterstützen

  • visuelle Funktionen wie Hinwendung oder Blickzielbewegungen, Wahrnehmung bewegter Sehanreize oder Initiieren von Folgebewegungen, Auge-Hand-Koordination anregen

  • Anwendungsmöglichkeiten zur Einbeziehung in andere Förderbereiche erarbeiten

Achtung: Bei bestimmten Epilepsieformen – besondere photo-epileptische Erregbarkeit – können intensive, schnell wechselnde Hell-Dunkel-Kontraste und Flickerlicht einen Anfall auslösen. Im Zweifelsfall sollte vor dem Einsatz immer der behandelnde Arzt befragt werden!

Intelligenz-Diagnostik für Kinder und Jugendliche mit einer Sehbeeinträchtigung

Wir bieten für Kinder und Jugendliche mit einer Sehbeeinträchtigung eine Intelligenz-Diagnostik an, die es ermöglicht, festzustellen, ob ein zusätzlicher Förderbedarf im Bereich Lernen oder Geistige Entwicklung besteht.

Dazu nutzen wir nach Absprache mit Ihnen als Eltern bzw. Erziehungsberechtigten das Testverfahren KABC-II.

Dieser Test findet an unserer LVR-Severin-Schule statt.

Die "Kaufman Assessment Battery for Children – II" (kurz: KABC-II) ist ein standardisierter Individualtest zur Erfassung intellektueller Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren. Das Ziel des Testverfahrens ist die Erfassung der intellektuellen Verarbeitungsfähigkeit sowie der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten. Damit einhergehend werden die individuellen Stärken und Schwächen ermittelt. Daraus leiten sich mögliche Maßnahmen zur Förderung ab.

Für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung gibt es im deutschsprachigen Raum keinen standardisierten Intelligenztest. Nach der Ermittlung des individuellen Nachteilsausgleichs aufgrund der vorliegenden Sehbeeinträchtigung nutzen wir die KABC-II unter anderem mit Zeitzugaben, visuell adaptiertem Material und Sehhilfen (zum Beispiel Visulettlupe, Bildschirmlesegerät, Arbeitsplatzleuchte).

Nützliche Adressen und Links

Hier finden Sie Links-Tipps zu verschiedenen Institutionen und Verbänden, bei denen Sie praktische Informationen oder Hilfsmitteln finden können.

Das Angebot an Selbsthilfeverbänden ist vielseitig und orientiert sich teilweise an der speziellen Augenerkrankung (Albinismus, Retinopathien usw).

Einen guten Überblick finden sie unter:

Rechtliche und finanzielle Hilfen

  • Blindengeld können Sie für Kinder mit einem Sehvermögen unter 1/50 oder Störung des Sehvermögens mit vergleichbarem Schweregrad bei unserem Träger Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit einem augenärztlichen Gutachten beantragen.
    Hier finden Sie weitere Informationen und alle Anträge .

  • Der Schwerbehinderten-Ausweis wird beim örtlichen Sozialamt beantragt.

  • Für Kinder mit weiteren Beeinträchtigungen können bei der Pflegeversicherung zusätzliche Leistungen beantragt werden.

Weitere Hinweise zu rechtlichen und finanziellen Hilfen finden Sie unter:

Die Trainings in speziellen Fertigkeiten sind für blinde und sehbeeinträchtigte Kinder essenziell. Eine frühe Förderung in Orientierung und Mobilität durch Langstocktraining und Klick-Sonar hilft Kindern zu weitestgehender Selbstständigkeit.

Die grundlegende Förderung in diesen Bereichen ist Teil unserer Frühförderung .

Adressen von ausgebildeten Mobilitätslehrkräften finden Sie u.a. unter:

Die Förderung alltagspraktischer Fähigkeiten (LPF) umfasst zum Beispiel die Bereiche Anziehen, Körperpflege, Essen etc. Auch dazu gibt es speziell ausgebildete Fachkräfte.

Hier finden Sie eine Übersicht mit praktischen Links zu Fachpersonen und Hilfsmitteln, die Ihrem Kind mit Blindheit oder Sehbeeinträchtiung behilflich sein können.

  • Eine Liste mit wichtigen Adressen zu speziellen Hilfsmitteln, wie Lupen, Monokularen, Lesegeräten usw. finden sie unter www.netzwerksehen.de .