Low-Vision-Förderung richtet sich an die sinnvolle Nutzung auch des geringsten Sehvermögens.
Sie beinhaltet die enge Verknüpfung von funktionaler Diagnostik und Förderung des verbliebenen Sehvermögens bei hochgradig sehbeeinträchtigten oder als blind geltenden Kindern (und auch bei sehbeeinträchtigten Kindern mit Mehrfachbehinderung).
Für eine ganz präzise Sehüberprüfung
Grundlage der Low-Vision-Förderung ist die ophthalmologische Feststellung der Sehschädigung (Opthalmologie bedeutet Augenheilkunde).
Eine objektive Messung der Sehfähigkeit ist bei kleinen und auch bei Kindern mit komplexen Beeinträchtigungen häufig nicht möglich oder erschwert.
Für sie ist die genaue Beobachtung und Analyse visueller Reaktionen der Ausgangspunkt für die Überprüfung des Funktionalen Sehens. Auf dieser Grundlage kann dann das Sehvermögen mit Hilfe kontrastreicher und beleuchteter Spielmaterialien erfolgen. Ein besonderes Setting bietet der Dunkelraum, da hier alle weiteren Sinnesreize reduziert werden und damit die visuelle Aufmerksamkeit leichter gesteuert werden kann.
Bei Kindern mit hochgradig eingeschränktem Sehvermögen reichen klar strukturierte kontraststarke Muster oft nicht aus, um den visuellen Kortex zu erreichen und somit die Verarbeitungszentren des visuellen Systems zu aktivieren. Sie benötigen zusätzlich die Unterstützung durch Licht, um Reize wahrnehmen und visuelles Interesse und Aufmerksamkeit aufbringen zu können.
Sehentwicklung fördern
Das einfache Anbieten von Lichtreizen reicht allerdings nicht aus, um die Sehentwicklung anzuregen. Die angebotenen Reize müssen für das Kind in einem Erfahrungszusammenhang stehen, d.h. eine emotionale Bedeutung erlangen. Das kann durch die Einbettung in Sinnzusammenhänge bzw. Situationen, Themen, Geschichten erfolgen. Oder aber auch über die Einbeziehung von Liedern, Fingerspielen in die visuelle Stimulation.
Durch die Low-Vision-Förderung möchten wir:
visuelle Aufmerksamkeit mithilfe von lichtintensiven, glitzernden und fluoreszierenden Materialien fördern
die Muster-, Farb-, Form und Objektwahrnehmung mithilfe von zum Beispiel Muster- und Farbfolien, Formen auf der Leuchtplatte, angestrahlten Spielobjekten unterstützen
visuelle Funktionen wie Hinwendung oder Blickzielbewegungen, Wahrnehmung bewegter Sehanreize oder Initiieren von Folgebewegungen, Auge-Hand-Koordination anregen
Anwendungsmöglichkeiten zur Einbeziehung in andere Förderbereiche erarbeiten
Achtung: Bei bestimmten Epilepsieformen – besondere photo-epileptische Erregbarkeit – können intensive, schnell wechselnde Hell-Dunkel-Kontraste und Flickerlicht einen Anfall auslösen. Im Zweifelsfall sollte vor dem Einsatz immer der behandelnde Arzt befragt werden!